Phantoms Inside: Interview mit U16-Head-Coach Jason Frantz

„Hier ist Ausbildung eine Tradition”

Jason Frantz ist neuer Head Coach der Wiesbaden Phantoms U16. Der US-Amerikaner, geboren am 1. Juni 1983 in Berwick im US-Bundesstaat Pennsylvania, folgt auf Jonny Ihl, der für die Phantoms vier Hessenmeister-Titel in sechs Jahren gewann.

In seinem ersten Interview als Head Coach schaut Frantz freudig auf die Saison 2019 voraus.

Wie kam es, dass Du Dich den Phantoms angeschlossen hast?

Ich stamme aus einer Stadt, in der die Ausbildung junger Spieler und durch die jahrelange gute Arbeit auch zu gewinnen wie in Wiesbaden eine Tradition ist. Um aber Champion zu werden, muss man viel Zeit und harte Arbeit investieren. Ein großartiger Spieler alleine gewinnt keine Titel, das macht ein Team. Als Spieler habe ich nie eine Meisterschaft gewonnen. In anderen Sportarten schon, also verstehe ich, was es bedeutet, viel Zeit in etwas zu stecken. Ich habe kleinere Teams trainiert, dann gefragt, ob ich nicht die siebten und achten Klassen der Wiesbadener High School übernehmen kann und wurde dann Assistent bei den Warriors. Was ich dorthin mitgebracht habe, war die Fähigkeit, den Kindern zu vermitteln, wie man diese oder jene Position gut ausfüllen kann. Direkt im zweiten Saisonspiel musste ich als Defensive Coordinator einspringen. Da ich das Scheme nicht mochte, vereinfachte ich es soweit, dass man Plays nur noch ansagen musste und jeder sie verstand. Spät in der Saison fehlte der Head Coach, also sprang ich erneut ein und wurde Head Coach. Ich habe das ganze Spiel über gecallt. Offense und Defense. Ich denke aber, dass mein größter Verdienst in dieser Saison war, den Kindern beim Erwachsenwerden ein wenig helfen zu können. Und wir haben das Finale erreicht.

Aber wie ich zu den Phantoms gekommen bin? Joe Harris hat den Kontakt zu Willi Turturica hergestellt, der eines Tages anrief und fragte, ob ich mich nicht mit den U16/U17-Coaches treffen wolle. Ich habe zugesagt, denn meiner Meinung nach bekommt man die Chance, ein „ausländisches“ Team coachen zu können, nur einmal im Leben. Ein Freund, Coach Mahony, saß damals mit am Tisch und wir fanden das, was wir hörten, sehr gut. Als wir dann das Training besuchten, beeindruckte mich vor allem die Einheit des Teams, das viel mehr Respekt auf dem Feld zeigte als ich es jemals in einem anderen Training erlebt habe. Dass Jonny Ihl in einer Pause auf meinen Sohn zukam und individuelle Tipps gab, bedeutete mir sehr viel und ich wollte Teil dieses Clubs werden.

Du bist erst sehr kurz Head Coach. Hast Du dennoch bereits ein erstes Projekt angestoßen?

Ich möchte versuchen, dass der gesamte Coaching Staff zunächst auf denselben Level kommt. Wir müssen ein gemeinsames Ziel stecken und es dann gemeinsam zu erreichen versuchen. Für die Spieler werde ich ein gleichermaßen hartes wie zielorientiertes Training schaffen, das auf Respekt und Disziplin basiert. Ich möchte, dass sie im Training so hart an sich arbeiten, dass sie am Gameday wissen, was Sache ist. Es soll kein Zweifel daran geben, wer das beste Team der Liga ist. Aber: Hauptaugenmerk muss auf der Ausbildung liegen. Aus U16-Spielern müssen U19-Pfeiler werden und später Leistungsträger im erwachsenen Team.

Was kannst Du dazu persönlich einbringen?

Meine Erfahrung, aber Wiesbaden hat auch ohne mich ein großartiges Footballprogramm von der jüngsten bis zu erwachsenen Mannschaft. Ich möchte einfach versuchen, das Programm noch besser zu machen.

Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen High-School-Football und deutschem U16-Football?

Das fragt mich jeder! Coach Mahony und ich waren direkt im ersten Training schon der Meinung, dass das Hervorstechendste die Größe der Spieler ist. U16-Spieler sind bei weitem größer als man es bei Gleichaltrigen an High Schools sieht.

Nochmal zurück zu den Zielen, die gesteckt werden sollen: Wie werden sie aussehen?

Ich selber habe mir das Ziel gesetzt „erfolgreich“ zu sein, was nicht heißen soll, dass ich mich an Spielen oder Siegen messen möchte oder an der Anzahl der Punkte auf dem Scoreboard. Ein erfolgreicher Coach ist für mich mehr als Zahlen. Ein erfolgreicher Coach sollte seine Spieler wirklich kennen und mit ihnen ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Für das Team wünsche ich mir, dass es wieder die Meisterschaft holt, denn ein Titel ist etwas für’s Leben. Es werden dann ihre Siege und ihr Titel sein, nicht die der Coaches. Wir nehmen die Schuld auf uns, wenn wir verlieren, die Siege gehören den Spielern.

Ich schaue wirklich sehr freudig voraus und werde versuchen, mein ganzes Wissen bei den Phantoms einzubringen. Ich möchte aber auch darum bitten, Ideen einzubringen, wenn jemand welche hat. Ich freue mich darauf alle Beteiligten kennenzulernen. Und verzeiht mein noch schlechtes Deutsch, auch das ist etwas, was ich mir als Ziel gesetzt habe: eine Menge mehr über die Deutsche Sprache lernen.

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